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Tom

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Tom

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Beitrag 7036958 , Haltbarkeit von Raketenmotoren [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 15:09]

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Wie lange sind Raketenmotoren haltbar / lagerbar ?
Hat jemand schon Veränderungen bei lange gelagerten Antrieben festgestellt ?
Gibt es euerseits hierzu Erfahrenswerte ?

Gruß
Tom
Neil

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Neil

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Beitrag 7036959 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 15:13]

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Hi,

ich habe letztens B-Motoren aus dem Jahre 1988 abgefackelt. Die funktionierten einwandfrei.
Es kommt dabei aber auch sehr stark auf die Lagerung an. diese waren immer in einem trockenen Keller gelagert worden.

Gruß

Neil

Die Erde ist eine Scheibe. Egal in welche Richtung sich die Menschheit bewegt, sie geht immer auf einen Abgrund zu.


Trevize

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Beitrag 7036960 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 15:48]

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Hi!

Schwarzpulvermotoren sind m.E. nahezu unbegrenzt haltbar, so lange sie trocken und bei halbwegs konstanter Temperatur gelagert werden. Estes A8-3 Motoren von 1978 (Importiert von Mattel, glaube ich, rote Papphülse) brennen einwandfrei.

Composites sind weniger haltbar. Bei den RJD dieses Jahr sind einige knapp 10 Jahre alte Motoren zum Einsatz gekommen. Alle mit Zündproblemen. Das liegt wohl in erster Linie an der stärkeren Hygroskopie des AP. Ein bei hoher Luftfeuchtigkeit gelagertes AT-W-Reload blüht aus, dass es eine Freude ist. Hier kommen evtl. noch Al-Verbindungen (Oxide? Hydroxide?) ins Spiel. Aber selbst bei trockener Lagerung von Composites würde ich vermuten, dass der Binder (HTPB?) altert, sprich verhärtet, oberflächlich oxidiert o. ä.

Grüße!

Hagen
Tom

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Tom

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Beitrag 7036962 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 16:05]

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Zitat:
Original geschrieben von Trevize

Hi!

Schwarzpulvermotoren sind m.E. nahezu unbegrenzt haltbar, so lange sie trocken und bei halbwegs konstanter Temperatur gelagert werden.

...





Einspruch, euer Ehren ruhe

Im Bezug auf die A 8-3 von Estes gebe ich Dir Recht, die hab ich selber auch noch von 1978 und die laufen einwandfrei.

Im Gegensatz dazu habe ich zwei Held 5000 von 1980, welche eine seltsame Metamorphose durchmachen.
Mir fiel auf, dass der Motor irgendwie anfing bauchig zu werden und nach weiterer geraumer Zeit sah er dann so aus:



Die Neugierde war geweckt, was passiert da unten drunter ???
Also die Papphülle weg und siehe da, der Motor ist "durchgerostet"



Ein Loch ist im Eimer ... ähmmm im Motor...
Wie kann das sein, dass der Motor ein Loch bekommt ?
Also auch runter mit dem Alumantel ...

Das was zum Vorschein kam sah dann so aus:



Aussen war ein kalkartiger Mantel entstanden, der nach dem Vernichten des Pulversatzes außen stehen blieb.

Der Motor hatte immerhin 29 Jahre auf dem Buckel und wurde bei mir trocken (SilicaGel) und ohne große Temperaturschwankungen gelagert. Wie er beim Vorbesitzer gelagert wurde weiß ich nicht. Ich hatte den Motor vor ca. 10 Jahren als Sammelobjekt gekauft.

Grüße
Tom


Neil

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Neil

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Beitrag 7036964 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 16:11]

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Hi,

war die Aluhülse vorher eloxiert worden? Nicht jede Alulegierung ist z.B. Seewasser geeignet. Salze in Verbindung mit Feuchtigkeit können sich langsam aber sicher durch ein Metall fressen.
Mir fällt dazu spontan Spaltkorosion ein. Man hat zwar ein Edelstahlmesser mit Kunststoffgriff und erwartet keine Korosion, doch der Spalt zwischen Edelstahl und Kunststoff reicht aus das dort der Stahl anfängt zu gammeln. Ähnliche Bedingungen haben wir auch bei der Aluhülse.

Gruß

Neil

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FabianH

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FabianH

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Beitrag 7036965 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 18:00]

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Faktor 1 ist denke ich vor allem die Feuchtigkeit und der Säuregehalt der Luft. Temperaturschwankungen, klar die machen u.U. auch viel aus. Aber wenn man permanent trocken lagert, am besten Luftdicht, dann sollten Motoren lange halten.
Ich überlege im Moment, mir ein Folienschweißgerät zuzulegen und die Motoren bis zum nächsten Flugtag einzuschweißen. Ich habe mein Lager allerdings auch in einer Waschküche, da dies der einzige geeignete Raum ist. Da herrschen die wohl schlechtesten Bedingungen.

Gruß Fabian
Trevize

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Beitrag 7036966 [Alter Beitrag10. Juni 2009 um 18:49]

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Hi Tom,

stimmt, die Motoren mit Aluhülse hatte ich vergessen. In der Tat reagiert KNO3 auch bei relativ niedrigen Temperaturen (etwas über RT) mit Aluminium. Besonders bei Feuchtigkeit. Wenn der Satz noch ein wenig alkalisch (!) ist, dann wird die Sache noch mehr beschleunigt. Der "kalkige Rest" wird aus Aluminiumhydroxiden und -oxihydroxiden bestehen. Interessanterweise wird die Reaktion von KNO3 mit Al durch schwache Säuren gebremst.

Die Aluhülse vom H5k, wie auch die vom Z24 ist mit Sicherheit nicht eloxiert. Das wäre viel zu teuer für einen Einweg-Motor.

Da hat AP übrigens einen Vorteil: Es reagiert im Satz bei RT nicht mit Al.

Grüße!

Hagen
Thomas

Raketenbauer

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Beitrag 7040924 [Alter Beitrag19. Juni 2009 um 20:14]

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Die Verwendungsbestimmungen der BAM sind für Aeroetech Reloads 15 Jahre und für CTI Reloads 12 Monate.

Science is the belief in the ignorance of the experts.
Dino

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Beitrag 7040925 [Alter Beitrag20. Juni 2009 um 13:25]

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Hi,

ich kann berichten, dass sowohl H1k als auch Treibsätze der Firma Zink, die etwa dem Z24 entsprechen, nach über 30 Jahren Lagerung bei Temperaturen zwischen 5 und 30 Grad Celsius und geringer Luftfeuchtigkeit (Dachbodenklima) keinerlei erkennbare äußerliche Veränderungen aufweisen und einwandfrei funktionieren.

Gruß

Dino

Sicherheitskodex - short version:
"Protect your privilege to fly rockets by not making the headlines or becoming a statistic. "
Juerg

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Beitrag 7042909 [Alter Beitrag23. Juni 2009 um 14:51]

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Zitat:
Original geschrieben von Trevize

Composites sind weniger haltbar. Bei den RJD dieses Jahr sind einige knapp 10 Jahre alte Motoren zum Einsatz gekommen. Alle mit Zündproblemen. Das liegt wohl in erster Linie an der stärkeren Hygroskopie des AP. Ein bei hoher Luftfeuchtigkeit gelagertes AT-W-Reload blüht aus, dass es eine Freude ist. Hier kommen evtl. noch Al-Verbindungen (Oxide? Hydroxide?) ins Spiel. Aber selbst bei trockener Lagerung von Composites würde ich vermuten, dass der Binder (HTPB?) altert, sprich verhärtet, oberflächlich oxidiert o. ä.


Nö!
White Lightning hat eine gewisse Neigung Wasser zu ziehen, das stimmt.
Das ist dann aber nicht das (normale) Ausblühen (Magnesium!) welches sich einfach abwischen lässt sondern vielmehr ein regelrechtes Aufquellen der Treibsätze.
Wer die Treibsätze bei konstanter Temperatur trocken lagert kann sie auch nach >> 10 Jahren noch problemlos fliegen.

Aber eigentlich sollte man Treibsätze nicht lagern sondern fliegen... big grin

Gruss

Jürg
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