Raketenmodellbau.org Portal > Forum > Raketen Technik > Nutzlasten & Bergungssysteme > 2-stufuge Bergungssysteme - Methoden, Probleme und Lösungen
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Achim

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Achim

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Beitrag 128382 , 2-stufuge Bergungssysteme - Methoden, Probleme und Lösungen [Alter Beitrag06. September 2007 um 20:16]

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Mich würde mal interessieren, wer von euch 2-stufige Bergungssysteme benutzt und wie ihr das handhabt. Ich hab mich bis jetzt immer davor gedrückt weil ich relativ viele Probleme sehe.
Meines Wissens lassen sich serielle und parallele Systeme realisieren.

Bei der seriellen Bergung wird am Gipfelpunkt ein kleiner Vorschirm ausgestossen der dann in einer bestimmten Höhe den Hauptschirm aus einem Sack oder einem Rohr herauszieht. Dazu braucht man dann einen Rückhaltemechanismus der möglichst leicht, einfach und sicher sein muss.

Vorteil eines solchen Systems: es ist elegant, schön anzusehen und lässt keine übermässigen Kräfte auf die Rakete einwirken.
Nachteil: Wenn der Vorschirm versagt, wird auch der Hauptschirm nicht ausgelöst. Also trotz zweier Schirme kein Gewinn an Sicherheit.


Bei einem parallelen System wird am Gipfelpunkt der Vorschirm ausgestossen, in einer bestimmten Höhe aus einem zweiten Rohr zusätzlich der Hauptschirm.
Vorteil ist dass nun 2 System unabhängig voneinander ihren Dienst verrichten - also ein Gewinn an Sicherheit.

Nachteil: Die beiden Schirme können sich verheddern und es gibt konstruktive Probleme zwei Druckkolbensysteme in einem Körperrohr unterzubringen. Bei einem 100er Körperrohr bleiben nicht mal 50 mm für die Kolbensysteme.

Schliesslich gibt es noch die Möglichkeit jeweils ein System in der Spitze und eines im Heck unterzubringen. Als Nachteil sehe ich hier die verminderte Stabilität der Rakete duch die zwei Steckverbindungen. Ausserdem ist das "Umhängen" der Rakete in der Luft nicht besonders elegant.

Denkbar ist auch das Unterbringen eines Schirms in einer seitlichen Klappe. Allerdings besteht auch hier die Gefahr des Verhedderns bei 2 parallelen Schirmen.


Also: Welche Systeme benutzt ihr und wie sind eure Erfahrungen, bzw. wie habt ihr die genannten Probleme gelöst?

Gruß,
Achim

Der größte Feind des Erfolges ist die Perfektion
Gelöscht2

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Beitrag 128384 [Alter Beitrag06. September 2007 um 20:54]

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Paul

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Paul

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Beitrag 128461 [Alter Beitrag08. September 2007 um 09:00]

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Hallo Achim,
ich kann dir leider keine Lösung vorstellen, aber das ist auch ein Thema was mich die letzte Zeit sehr beschäftigt. Die Rakete ist schon zu 50% fertig und was mir jetzt noch fehlt, ist die "elegante" Lösung des Problems. So wie ich mich kenne, ich werde mir da schon was "interessantes" ausdenken wink
Grüsse
Paul
Andreas H.

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Andreas H.

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Beitrag 128462 [Alter Beitrag08. September 2007 um 09:15]

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Hallo Achim,

ich hatte vor 2 Jahren am Experimentalwettbewerb erfolgreich mit der M.A.D.3 teilgenommen, welche eine serielle 2-Stufen-Bergung beinhaltet. Die Dokumentation ist hier im Archiv abgelegt. Anstelle der Eigenbau-Elektronik kann man beispielsweise auch einen SALT3-Standard oder SALT3-LCD oder jede Elektronik, die 2 Ereignisse steuert, verwenden.

Gruß Andreas

Geändert von Andreas H. am 08. September 2007 um 09:17

Neil

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Neil

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Beitrag 128487 [Alter Beitrag08. September 2007 um 18:41]

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Hi,

ich habe bis jetzt zweimal eine Bergung mit 2 Schirmen gebaut.

Die erste Bergung wurde mit einem ALTACC realisiert. Am Gipfelpunkt kam aus einer seitlichen Klappe ein Fallschirm raus. Bei einerbestimmten Höhe oder versagen des ersten Schirms, wurde der zweite Schrim ebenfalls aus einer seitlichen Klappe ausgestoßen. Beide Schirme waren gleich groß. Da der Motor relativ kleinwar, kamen immer beide Schirme direkt hintereinander, weil die Höhe für das zweite Ereignis nie überflogen wurde, und somit der Schirm immer sofort kam. Man konnt leider bei dem ALTACC keine kleinere Höhe einstellen.

Die zweite Variante haben ich dann mit einem G-WIZ realisiert.
Die Rakete wurde am Gipfelpunkt in der Mitte getrennt. Die untere Hälfte war nur noch mit Motor gefüllt. Der Fallschirm der hier raus kam, war sehr klein um schnell Höhe abzubauen. Dieser ging praktisch immer auf. Falls nicht, wurde die Rakete durch die Mittentrennung aerodynamisch instabil und wäre somit etwas schneller Richtung Boden getaumelt.
Bei erreichen einer bestimmten Höhe wurde die Spitze abgetrennt und der Hautpschirm kam heraus. Die Rakete war jetzt in drei Teile zerlegt, die aber alle noch mit dem Schickband verbunden waren.

Bei dieser Technik gab es zwei Probleme die es nicht ganz einfach gemacht haben.
Die Trennung der Rakete in der Mitte machte diese mechanisch etwas instabil. Wegen dem Hybridmotor als Antrieb, habe ich die Teile immer zusätzlich mit Klebeband zusammen geklebt. Dieses wurde bei dem Ausstoß durchtrennt. Einige Bodenversuche haben gezeigt das dies gut funktioniert. Meine Sorge war, dass das Pulsieren des Motors die Teile evtl. auseinander zieht.
Durch den Öffnungsschock des ersten Schirmes mußte das unbeabsichtigte aufgehen der zweiten Trennstelle ebenfalls gelöst werden. Dies habe ich auch mit Klebeband gemacht.
Da die Ausstoßladung in der Spitze war, diese aber abgetennt wurde von der Elektronik, brauchte das Zündkabel einen Abreißkontakt. Dieser mußte ebenfalls gegen unbeabsichtigtes lösen gesichert werden.

Bei allen Flügen gab es keine Probleme.
Die nächste Rakete bekommt ebenfalls einen G-WIZ mit serieller Bergung, aber so ausgeführt, das der eine Schirm den anderen nicht raus ziehen muss. Der Raketenkörper bleibt am Stück. Die Schirme kommen durch seitliche Klappen raus.
Der G-Wiz hat noch einen zusätzlichen Ausgang für eine zweite Stufe. Er detektiert den Brennschluß und zündet dann die zweite Stufe. Der G-WIZ selber soll aber in der ersten Stufe verbleiben und keine Probleme machen. Ist dies doch ein Verhalten einer "versagen" Zündung der zweiten Stufe.

Gruß

Neil

Die Erde ist eine Scheibe. Egal in welche Richtung sich die Menschheit bewegt, sie geht immer auf einen Abgrund zu.


Lschreyer

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Lschreyer

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Beitrag 128713 [Alter Beitrag12. September 2007 um 14:45]

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Ich setze bei meiner Bergung auf Trennung in 3 Teile, über dem Motor ist der Drogue, über der Elektronik der Main der mit der Spitze ausgestoßen wird.

Die Elektronik ist bei mir komplett redundant, ein Salt Standard und ein Gwiz MC2 fliegen mit, beide mit eigenen Akkus (Gwiz mit einem 9V NiMh-Akku und der Salt mit 2 2S-Lipos mit 7,4V) und eigenen Schaltern, ebenso eigenen Ausstoßladungen. Das ist Aufwand, bringt aber nahezu 100% Sicherheit mit sich, ich möchte nur ungern die hundert Stunden Arbeit wiederholen wegen eines Akkus oder eine Zünders der nicht geht. Meine neue Rakete hat wohl ca. 150-200 Stunden gekostet, das wäre doch schade...

Das ganze System ist austauschbar, ich baue meine Ebay z.B. beim ALRS in meine neue Rakete ein, 4 Schrauben reichen für den Tausch.

Man könnte noch dn Motorausstoß nutzen als zusätzliches Backup für den Drogue, ich spare mir aber den Dreck.

Für Ausstoßladungen benutze ich nur noch Pyroflocken, 0,8 g bei einer 4"-Rakete. Ist sauber und bei allen Tests bisher 100% sicher. (Habe ca. 40 Ladungen abgefeuert, alle mit Erfolg.)

Es gibt jetzt bei LOC noch ein neues System, bestechend einfach: Der "Chute Tamer". Das Teil hat eine Glühkerze die eine Angelschnur durchschmilzt.
Man bindet den Schirm darauf fest, der Tamer bemerkt durch einen G-Switch den Start, ein Timer läuft ab um dann die Angeschnur durchzuschmelzen.

Der Schirm öffnet sich erst durch Motorausstoß, aber wird mitsamt dem Chute Tamer ausgestoßen. Dadurch taumelt die Rakete schnell nach unten. Erst nach Ablauf des Timers brennt die Schnur durch, öffnet der Schirm ganz und sorgt so für eine sanfte Landung. Eine Super Idee eigentlich, 2 Stufenbergung mal anders.
Aber 200$ sind viel. Ich werde nach dem ALRS wenn ich mal wieder Zeit habe das näher anschauen, dürfte nicht schwer sein das zu bauen. Timer, Glühkerze aus dem Modellbau und Kleinteile.

Louis

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